Die gutartige Prostata-vergrösserung
Bei allen Männern wird die Prostata im Verlauf des Lebens
grösser. Bei einem Teil der Männer verengt die vergrösserte
Prostata die Harnröhre. Das Wasserlassen geht nicht mehr so
einfach wie früher. Der Harnstrahl wird abgeschwächt, sie müssen
nachts aufstehen, um Wasser zu lösen und haben das Gefühl, die
Blase nicht mehr vollständig entleeren zu können. Oft müssen sie
am Morgen etwas länger warten, bis der Harnfluss in Gang kommt
und der Urin träufelt nach. Bei starker Einengung der Harnröhre
kann sich die Harnblase nicht mehr vollständig entleeren.
Die Prostatavergrösserung kann heute behandelt werden. Wenn
Sie die Beschwerden als zu lästig empfinden, fragen Sie nach
einem Termin. Auf Grund Ihrer
- Vorgeschichte,
- eines Fragebogens, welcher durch Sie ausgefüllt wird
- der klinischen- evt. Blut-Untersuchung (PSA!)
- (schmerzlosen) Ultraschalluntersuchung
kann ich Ihnen eine individuelle Lösung vorschlagen, sei es
zuerst mit Kürbiskernen oder mit Medikamenten, mit denen Sie
wieder besser Wasser lassen können. Reicht diese Behandlung
nicht aus, so empfehle ich die "kleine Prostataoperation". Dabei
wird die Harnröhre vom einengenden Prostatagewebe befreit. Nach
der Operation können Sie wahrscheinlich wieder beschwerdefrei
Wasser lösen. Allerdings führt die Operation in den meisten
Fällen zu einem "trockenen Samenerguss". Die Samenflüssigkeit
wird beim Orgasmus in die Harnblase und nicht mehr nach aussen
gespritzt. Für diese Operation müssen Sie für einige Tage ins
Spital.
Bei der gutartigen Prostatavergrösserung bestimmen Sie als
Patient, wann eine Behandlung notwendig wird (dann nämlich, wenn
das Wasserlassen für Sie zu mühsam wird) und wo diese erfolgt. |
Die bösartige Vergrösserung - der Prostatakrebs
Zusammenfassung:
Männer zwischen 50 und 70 können eventuell von einer
regelmässigen Prostatavorsorgeuntersuchung profitieren. Bevor
eine solche Untersuchung durchgeführt wird, muss jeder einzelne
für sich entscheiden, ob er bei einem krebsverdächtigen Befund
bereit wäre, weitere Abklärungen sowie eine grosse
Prostataoperation oder eine Bestrahlung mit all ihren
Konsequenzen (Impotenz, ev. Inkontinenz) auf sich zu nehmen.
Gerne bespreche ich mit Ihnen diese Fragen in meiner Praxis.
Der Prostatakrebs ist einer der häufigsten bösartigen Tumore
bei Männern. Bei über 50-Jährigen findet man ihn in bis zu 40%
der untersuchten Männer. Der Prostatakrebs wächst eher im
Kapselbereich der Prostata und engt deshalb die Harnröhre kaum
oder erst sehr spät ein. Sollen sich
demzufolge alle Männer über 50 regelmässig die Prostata
kontrollieren lassen? Diese Frage ist nicht einfach zu
beantworten. Wir wissen, dass ein Prostatacarcinom langsam
wächst und meistens über 10 Jahre braucht, um eine ernsthafte
Gefahr darzustellen. Die Fachleute sind sich deshalb heute
einig, dass eine Früherkennungsuntersuchung allenfalls in
Betracht gezogen werden soll, wenn die durchschnittliche
Lebenserwartung noch mehr als 10 Jahre beträgt. Nach dem 70.
Altersjahr wird deshalb meistens keine Vorsorgeuntersuchung mehr
empfohlen. Wie verhält es sich nun aber bei den Männern zwischen
dem 50. und dem 70. Altersjahr?
Der Prostatakrebs kann heute in einem frühen Stadium entdeckt
werden durch die Austastung des Enddarms mit dem Finger und mit
der Bestimmung des sog. PSA-Wertes im Blut. Auch eine gutartige
Vergrösserung der Prostata kann aber den PSA-Wert erhöhen. Als
weitere Abklärung müssen bei einem erhöhten PSA-Wert deshalb
Gewebeproben der Prostata untersucht werden. Auch damit können
nicht alle Prostatacarcinome entdeckt werden. Die Fachleute sind
sich bis heute nicht einig, ob diese regelmässigen Kontrollen
allgemein empfohlen werden sollen. Wieso dieser Widerspruch?
Wir wissen heute noch nicht, ob eine
regelmässige Vorsorgeuntersuchung tatsächlich die Sterblichkeit
an Prostatakrebs senkt. Offenbar gibt es viele
Prostatakrebsformen, die ganz langsam wachsen und deshalb keine
lebensverkürzenden Folgen haben. Im Moment laufen grosse
Studien, die im Jahr 2005 abgeschlossen werden und diese Frage
dann klären können. Wieso im Zweifelsfall nicht einfach auf
Nummer sicher gehen und sich die Prostata regelmässig auf
bösartige Veränderungen untersuchen lassen? |
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir die
therapeutischen Möglichkeiten diskutieren
Ein früh entdeckter Prostatakrebs bei einem Mann mit einer
Lebenserwartung von über 10 Jahren kann heute mit einer "grossen
Prostataoperation" behandelt werden. Dabei wird durch
einen Bauchschnitt über dem Schambein die Prostata möglichst
radikal entfernt. Diese Operation führt aber bei 40-90% der
Männer zu einer bleibenden Impotenz. 5-30% der Männer haben nach
dieser Operation zusätzlich eine Inkontinenz, d.h. sie verlieren
unkontrollierbar ihren Harn und müssen entweder einen
Dauerkatheter oder Windeleinlagen tragen. Ein kleiner Teil der
operierten Patienten, vor allem ältere, sterben bei der
Operation oder unmittelbar danach.
Ein Prostatakrebs kann auch bestrahlt
werden. Aber auch die Bestrahlung führt oft zu Impotenz und
manchmal zu Inkontinenz.
Die dritte Behandlungsmöglichkeit ist
Zuwarten und Behandlung mit weiblichen
Hormonen oder Unterdrückung der männlichen
Hormonproduktion, sobald das Prostatakarzinom Beschwerden macht.
Die drei Behandlungsmöglichkeiten haben nach heutigem
Wissensstand vor allem bei Männern über 70 Jahren etwa den
gleichen Effekt auf das Überleben. Bei allen drei
Behandlungsmöglichkeiten sind 10 Jahre nach Entdeckung noch ca.
80 % der Patienten am Leben.
Ob Sie die Konsequenzen einer Operation oder einer
Bestrahlung bei einem bis jetzt nicht bewiesenen
Überlebensvorteil auf sich nehmen wollen, müssen Sie vor einer
Vorsorgeuntersuchung genau überlegen. Wenn Sie dazu bereit sind,
dann kann die Vorsorgeuntersuchung möglicherweise einen Sinn
machen.
Welche Möglichkeiten bestehen, wenn der Prostatakrebs zu
einem späteren Zeitpunkt entdeckt wird?
In dieser Situation kann nicht mehr eine Heilung, sondern nur
noch eine Schadensbegrenzung erreicht werden.
Dazu kann die Prostata bestrahlt oder hormonell behandelt
werden. Das männliche Geschlechtshormon Testosteron wird in den
Hoden gebildet und fördert das Wachstum des Prostatakrebses. Bei
weit fortgeschrittenen Stadien wird deshalb die
Testosteronbildung durch die Entfernung der
hormon-produzierenden Hodenanteile ausgeschaltet oder die
Testosteronproduktion wird medikamentös unterdrückt. Beide
Methoden führen zwar auch zu Impotenz, bewirken aber oft über
Jahre eine Linderung der Symptome und einen
Krankheitsstillstand.
Quelle: Das Gesundheitsdossier Nr. 8 wurde am 31.1.2000
geschrieben.
Verantwortlich für die Redaktion Dr. med. Felix Huber, FMH f.
Allg. Medizin
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