Zusammenfassung
die folgende Kasuistik berichtet über vier Reisende mit
Epilepsie, bei denen Mefloquin (Lariam /Mephaquin)
kontraindiziert ist. Auf Grund einer differenzierten Reise- und
Patientenanamnese sind Sie in der Lage, Ihren Patienten aktuelle
Empfehlungen bzgl. Prophylaxe und Notfallmedikation zu geben. |
Eckdaten der Reisenden 1 bis 4:
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Destination |
Medikament |
Diagnose |
Malariamedikament |
| SK |
Benin |
Phenytoin |
Epilepsie |
Chloroquin + Proguanil-prophylaktisch |
| PH |
Kenia, Sansibar, |
keine |
Epilepsie nach Meningeom-operation |
Mephaquin prophylaktisch |
| KF |
Sudan |
Keine |
„Krämpfe“ nach Spritze |
Malarone prophylaktisch |
| MZ |
Gambia |
keine |
Hirnblutung mit Epilepsie |
Fansidar prophylaktisch |
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Klinik
MZ: Mefloquin kann bei Epilepsie das Anfallsrisiko
erhöhen. Der Gambiareisende erhilet als Alternative zu
Mefloquin Fansidar. Vorteil: wöchentliche Einnahme,
Nachteil: Resistenzentwicklung, Sulfonamidallergie.
SK: Wegen eines Gelegenheitsanfalls bei Epilepsie
rezeptierte der Hausarzt bei diesem Kind Chloroquin 1Tbl pro
Woche sowie ½ Tbl Paludrin täglich.
PH: Der Pat nahm Luminal. Dies wurde wegen
Symptomfreiheit im Februar 94 gestoppt. Nach Rücksprache mit
dem Neurochirurgen wurde Mephaquin indiziert, welches
problemlos ertragen wurde.
KF: Die klinische Symptomatik in meiner Praxis war
eindrücklich:
KF wollte liegen für die Spritze, weil bei früheren Spritzen
Kollapse auftraten. Ca. 5 Min. nach den Impfspritzen wurde
KF für 1 Minute bewusstlos, verdrehte die Augen, krampfte am
ganzen Körper und nässte ein: Wegen des Grand Mal Anfalles
empfahl ich Malarone prophylaktisch.
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Diskussion
Mefloquin ist bei Epilepsie kontraindiziert.
Probleme treten auf, wenn die Patienten davon nichts
berichten resp. der Arzt nicht danach fragt. Aus
diesem Grunde sollten vor Abgabe von Mefloquin die
Patienten/inen gefragt werden, ob sie Medikamente (Antiepileptika)
einnehmen oder an einer Epilepsie leiden/litten.
Bei (LastMinute) Reisen in Malaria
Hochrisikogebiete (Ost-Westafrikanische Länder)
empfehlen Sie eine Prophylaxe mit
- Chloroquin/Proguanil (Nivaquin®+Paludrin®)
- Doxycyclin (z.Bsp. Supracyclin®, Vibramycin®) oder
- Atovaquone/Proguanil (Malarone®) oder
- Sulfadoxin/Pyrimethamin (Fansidar®).
Bei (LastMinute) Reisen in Länder mit
„kleinem" Malariarisiko (Südamerika, Südostasien) sind
folgende Medikamente - als Notfalltherapie- indiziert:
- Doxycyclin (z.Bsp. Supracyclin®,Vibramycin®) in
Kombination mit Chininsulfat/Doxycyclin oder
- Atovaquone/Proguanil (Malarone®) oder
- artemisinhaltige (Artenam® oder Riamet®, )
Patienten mit Epilepsie können Sie Reisedestinationen
empfehlen ohne Malariavorkommen! Dieses orientierende
Gespräch sollte vor der Buchung stattfinden! |
Kommentar
von Dr.B.Holzer Tropenmediziner, Mittlere Strasse 3, CH
3600 Thun, E Mail:
rbholzer@bluewin.ch
Die Verschreibung einer Malariaprophylaxe bei Patienten
mit Epilepsie ist ein komplexes Unterfangen. Praktisch alle
Malariamaittel können das mikrosomale CYP450 System in der
Leber beeinflussen und dadurch mit Antiepileptika und
teilweise mit Antidepressiva interagieren. Dazu gehören
insbesondere Mefloquin, Proguanil, Chloroquin und Chinin.
Unter Chloroquin sind vereinzelt auch epileptische
Anfälle bei Nichtepileptikern beschrieben worden. Trotz
verschiedener Probleme gilt die Verschreibung von Chloroquin
mit Proguanil bei PatientINNEN mit Epilepsie als
zuverlässig. Obwohl Pyrimethamin/Sulfadoxin (Fansidar®) vor
allem bei wiederholter Einnahme nicht selten ein schweres
Stevens-Johnson Syndrom auslösen kann, erachte ich dieses
Mittel zur Malariaprophylaxe bei Epileptikern als durchaus
geeignet. Malorone®, die Kombination von Atovaquon mit
Proguanil, wird vor allem zur Reservetherapie verwendet. Bis
jetzt ist das Mittel nur in Dänemark zur Prophylaxe
registriert und für diese Indikation schlecht dokumentiert.
Der hohe Preis und die eher bescheidene Dokumentation
schränken die Indikation auf einige wenige Spezialfälle ein.
Korrespondenzadresse
Neudorfpraxis Dr.G.Heeb Rorschacherstr.238 CH-9016
St.Gallen E Mail info@osir.ch Wissensstand Mai 2000,
copyright: Dr.G.Heeb |